Seminartag am Max-Mannheimer-Studienzentrum

Seminar im Max-Mannheimer-Studienzentrum und Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau

Jedes Schuljahr nehmen alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen an einem eintägigen Seminar im Max-Mannheimer-Studienzentrum in Dachau teil. Das Studienprogramm beinhaltet eine intensive Vorbereitung auf den anschließenden Rundgang in der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie eine Auswertung der Ereignisse. In Kleingruppen, die von Referenten des Studienzentrums betreut werden, ist es den Schülerinnen und Schülern möglich, sich aktiv mit dem Thema Konzentrationslager Dachau und Nationalsozialismus, wie auch mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen und persönlichen Fragen zu bearbeiten.

Blog für Ausstellung „Namen statt Nummern“
Die Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege in München, eine Schule gegen
Rassismus und für Zivilcourage, konfrontiert die Schülerinnen und Schüler, die zum
großen Teil Migrationshintergrund haben, im Rahmen der Ausbildung mit dem
Nationalsozialismus. Alle 10. Klassen bearbeiten im Rahmen eines Seminartages am
Max-Mannheimer-Studienzentrum selbst gewählte Themen, auch im Hinblick auf die
Gegenwart, in Kleingruppen und besuchen die Gedenkstätte.
Alle zwei Jahre beherbergt die Schule die
Ausstellung „Namen statt Nummern“. Die
Banner hängen in einem großen Gang. Vor
jedem Banner liegt ein großes weißes
Tonpapier. Darauf steht eine zunächst leere
Vase.
Die Jugendlichen besuchen die Ausstellung und
wählen anhand der Kurzbiografien auf den
Bannern in Zweiergruppen eine Person aus. Auf
der Basis der weiterführenden Informationen aus
dem Gedächtnisbuch beschäftigen sie sich intensiv mit dem Leben der jeweiligen Person.
Sie visualisieren den Lebensweg von Geburt an bis
über die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau
hinaus.

Dabei sollen glückliche und schwierige Zeiten
und Situationen erkennbar werden. Im Rahmen einer
Präsentation stellen sie die Person vor und begründen
ihre Wahl. Sie geben Antwort auf die Fragen: Was hat
diesen Menschen ausgezeichnet? Wie ist er mit seinem
Schicksal umgegangen? Inwiefern ist er heute für mich
ein Vorbild?
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit der Biografie auseinander. In dieser
Zeit übernehmen die Patenschaft für „ihren“ ehemaligen Häftling. Während der zwei
Wochen sorgen sie für frische Blumen oder Zweige in
der Vase. Oft liegen Zeichnungen oder auch Gedanken
auf dem Tonpapier. Auch setzen sie jüdische
Trauerrituale wie z.B. das Ablegen von kleinen Steinen
um.
Während der Ausstellungszeit herrscht eine eigene
Atmosphäre im Gang. Häufig kommt es vor den
Bannern zu spontanen Gesprächen zwischen den
Schülern und Schülerinnen, aber auch mit Lehrkräften.
Sie erzählen z.B. von Familienangehörigen, die in Dachau inhaftiert waren. Den
Auszubildenden wird bewusst, dass sie in ihrem Beruf als Kinderpflegerinnen und
Kinderpfleger Vorbild für Kinder vom Säuglings- bis zum Teenageralter sind. Oft haben die
Schüler und Schülerinnen mit einem anfängliches Widerstreben zu kämpfen, danach stellt
sich Betroffenheit ein und die Jugendlichen erkennen,dass das Thema heute so brisant ist
wie damals. Ebenso wird die Notwendigkeit des Widerstands gegen Radikalismus deutlich
und als Verpflichtung und Verantwortung für den Einzelnen erkannt.
Die intensive Auseinandersetzung mit einem Einzelschicksal lässt den Menschen lebendig
werden und ermöglicht ein emotionales Einlassen. Auch kristallisieren sich fortdauernde,
durch das Leben tragende Werte heraus. Die Häftlinge werden als Menschen in ihrer
Ganzheit wahrgenommen. Damit werden die Übertragbarkeit der Schicksale und das
Annehmen für die heutige Zeit offenbar.

Roswitha Röll

 

Link zum Gedächtnisbuch: Sammlung von Biographien ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau

www.gedaechtnisbuch.org