Mit Henny Seidemann

Zeitzeugengespräch mit Henny Seidemann

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Nur noch wenige Menschen können über ihre eigenen Erlebnisse zur Zeit des  Nationalsozialismus berichten. Eine große Bereicherung ist es daher für die Schule, dass seit mehreren Jahren die aus Berlin stammende Jüdin Henny Seidemann, Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München, Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit zu einem Zeitzeugengespräch gibt. Auch in diesem Schuljahr erzählte Frau Seidemann Teilnehmern des Wahlfaches Interkulturelle Erziehung von ihrem Leben und dem Schiksal ihrer Familie. Ihr anschaulicher Erfahrungsbericht ermöglichte den Teilnehmern eine individuelle Annäherung an das zunehmend historische Geschehen der NS-Zeit.
Nachruf auf Frau Henny Seidemann von Frau Ingrid Stukenbrock

Am 31. August 2012 ist Frau Henny Seidemann gestorben. Nur wenige Wochen später wäre sie 90 Jahre alt geworden.
Jahrelang war sie mit unserer Schule verbunden und hat im Rahmen des Wahlfaches “Interkulturelle Erziehung” aus ihrem Leben erzählt. Sie berichtete, dass sie mit 11 Jahren die Schule verlassen musste und vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten mit ihren Eltern nach Barcelona geflohen ist. Es folgten die Ausweisung aus Spanien, Verhöre durch die Nationalsozialisten und die wiederholte Flucht nach Barcelona. Auf die Frage, wie sie es geschafft habe, dieses Leben auszuhalten, antwortete sie nur mit dem Wort “Contenance”.
Im Jahre 1957 kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter zurück nach Deutschland und siedelte sich in München an. Wieder baute sie sich ein neues Leben auf und setzte sich sehr für die christlich-jüdische Verständigung ein.
Frau Seidemann hat den Kontakt zu den jungen Menschen gerne gesucht und war immer bereit auf Fragen einzugehen. Sie war offen, direkt und kritikfreudig. Die Auseinandersetzung mit ihr war anregend. Viele Schülerinnen und Schüler und viele Kolleginnen und Kollegen hatten Gelegenheit, Bekanntschaft mit dieser so bemerkenswerten Persönlichkeit  zu machen. Sie wird uns immer in Erinnerung bleiben.
Auch in diesem Sommer hatten wir uns auf ihren Besuch gefreut, der leider wegen ihrer zunehmenden körperlichen Schwäche nicht stattfinden konnte.
Wir alle sind froh, dass wir das Glück hatten, ihr zu begegnen. Wir vermissen sie.     .